Der TSV Legau feiert im Juni 2010 sein 100. Gründungsjubiläum. Diese Chronik basiert auf Erinnerungen, Berichten und Niederschriften von aktiven Sportlern und Zeitzeugen aus einem ganzen Jahrhundert und geht, aktualisiert und erweitert, aus vorangegangenen Chroniken hervor.

 

Von den Anfängen bis zum 2. Weltkrieg

Der Beginn der sportlichen Betätigung liegt – um es genau zu sagen – schon einige Zeit vor dem Gründungsjahr und spielte sich auf Rädern ab. Schon 1908/1909 existierten nämlich hier im Ort zwei Radfahrvereine, von denen der kleinere sich bald wieder auflöste, der größere, von Ludwig und Leo Spöttle, jedoch mit großen Erfolgen Aktionen weit und breit veranstaltete. Mag es der Wunsch gewesen sein, sich auch im Winter fit zu halten und sich sportlich zu betätigen, wenn die Fahrräder „eingemottet“ auf den Frühling und Sommer warteten oder wollte man sein sportliches Können erweitern – jedenfalls entstand aus den beiden Radfahrvereinen im Jahre 1910 unser Turn- und Sportverein. Als erster Vorstand wurde Carl Mayr sen. gewählt. Zur Vorstandschaft zählten weiter: Malermeister Georg Rauh als L.-Turnwart, P. Mayr als Kassierer, Matth. Unold sen. als Zöglingsturnwart, Moritz Hertsch sen. als Beisitzer, Kaspar Leuterer als Beisitzer und Othmar Singer sen. als Beisitzer. Die Initiative zur Gründung des Vereins ging vom damaligen Malermeister Rauh aus.

 

Es war in jenen Tagen noch eine kleine Schar, die sich dem Wahlspruch des Turnvaters Jahn verschrieben hatte. Aber der Übungsbetrieb dürfte mit Begeisterung durchgeführt worden sein, denn bereits 1911 stellten sich die Turner mit einem Wett-Turnen und Stafetten der Öffentlichkeit vor. Turner aus Memmingen und Grönenbach beteiligten sich als Gäste an der Veranstaltung, die auf dem damaligen Turnplatz neben dem Gasthof „Kreuz“ durchgeführt wurde. Ohne Turnsaal konnte natürlich kein Winterbetrieb stattfinden. Deshalb suchte und fand der neue Verein ein Vereinslokal mit den Voraussetzungen für die Einrichtung eines Turnsaales. Es war das Gasthaus „Hirsch“. Als Zöglinge gehörten der damaligen Turngemeinschaft u.a. Hans und Anton Heckler, Othmar Singer sowie Max Weißenhorner sen. an. Die erste Bewährungsprobe im Geräteturnen legten die Legauer 1912 in Ottobeuren ab. Es war das erste Turnfest, an dem unsere Geräteturner teilnahmen. Die Hin- und Heimfahrt wurde natürlich auf den Fahrrädern bewältigt.

 

Der Beginn des 1. Weltkrieges 1914 beeinflusste auch den jungen Legauer Turnverein, wurden doch die meisten Turner zu den Waffen gerufen. Bis 1916 hielten Turnbruder Josef Hörberg als Oberturnwart und Anton Heckler als Turnwart noch Übungsstunden in der alten Halle. Dann kam das Turnen fast ganz zum Erliegen. Der Verein bestand zwar weiter, jedoch konnte der Turnbetrieb erst 1919 wieder aufgenommen werden. Zu dieser Zeit trainierte Anton Heckler als Zöglingsturnwart die Jugend.

 

Im gleichen Lokal hielt übrigens auch als Sparte des Turnvereins eine Gruppe Schützen ihr Übungsschießen ab. Dabei ereignete sich ein bedauerlicher Unfall, als ein Jung-schütze das Ziel verfehlte und einen Anwesenden in den linken Kiefer traf. Da der Verein keine ausreichende Haftpflicht-Versicherung abgeschlossen hatte, musste für den ganzen Schaden die Familie des Verursachers aufkommen. Als Turnplatz diente damals die Kutter-Grubwiese.

 

Bereits 1920 hatte der TSV Legau wieder soweit an Mitgliederzahl und Leistungsstand zugenommen, dass er sein 10-jähriges Gründungsfest mit einem Wett- und Schauturnen begehen konnte. Im gleichen Jahr traten auch in sehr fortschrittlicher Manier die ersten Legauer Damen dem Turnverein bei und wurden in ihrer Riege von Anton Heckler betreut. Ihn löste später Laura Gschwend ab und leitete fortan das Frauenturnen. Seither gibt es übrigens bis auf den heutigen Tag stets eine oder mehrere Damenriegen in Legau.

 

Aber zurück zu den ersten Nachkriegsjahren. Im Jahre 1921 erhielt der Turn- und Sportverein Legau seine erste Fahne. Auch anlässlich der Fahnenweihe erlebten die Legauer ihren Turnverein wieder in einem Wetturnen. In der Folgezeit beteiligten sich die Legauer Turner als angesehene Gegner an vielen Wettkämpfen und Wettspielen. 1923 besuchten sie das Deutsche Turnfest in München. Im gleichen Jahr wurde eine Schwimmriege ins Leben gerufen, die schon im August 1923 bei einem Schwimmfest im „Hofstätter Weiher“ ihr Können unter Beweis stellte. Auch der Skisport wurde schon kurz nach dem 1. Weltkrieg im TSV Legau gepflegt. In dieser Sparte erwarb sich Konditormeister Bernhard Jäger bleibende Verdienste.

 

Die Beliebtheit des Sportes, des Spiels und des Turnens nahm ständig zu. Der TSV Legau war aus dem Legauer Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken. Man verstand es aber auch, Feste zu feiern und so die Bevölkerung mit ins Vereinsleben einzubeziehen. So wurden die „Kellerfeste“ zum Ereignis des Jahres. Sie waren für den TSV der Anlass, seine steigenden Leistungen zu zeigen und mit Feuerwerk und allerlei Unterhaltung Freude zu bereiten. In besonderer Erinnerung blieb das große Kellerfest im Jahre 1926, in dessen Verlauf das Festspiel „Jahn im Olymp“ aufgeführt wurde. Anlässlich dieses Festes wurde übrigens der langjährige Turnwart Paul Marchetti sen. zum Ehrenturnwart ernannt.

 

„König Fußball“ hatte damals natürlich auch schon im TSV Legau Einzug gehalten. 1928 machten sich die Fußballer selbständig. Im gleichen Jahr wurde im Legauer Bad ein großes Werbeschwimmen veranstaltet. Mit der steigenden Mitgliederzahl und den dadurch bedingten Turnstunden mussten auch neue Räumlichkeiten für den Übungsbetrieb gefunden werden. So verlegte man zunächst 1932 den Turnplatz auf Löwenwirts Wiese an der Altusrieder Straße, und 1933 konnte Herr Dr. Sepp sen., der damalige Vorstand des TSV, den Löwenwirt zum Bau eines Turnsaales im Gasthof „Zum Löwen“ veranlassen, natürlich mit einem Zuschuss der Gemeinde.

 

Nun besaß der Verein, was er brauchte: einen guten Turnplatz (der übrigens von der Gemeinde erworben und dem TSV kostenlos zur Verfügung gestellt wurde) und einen schönen Turnsaal. Letzteres war sozusagen ein Präsent der Gemeinde zum 25-jährigen Gründungsfest im Jahre 1935. Da sich inzwischen neben dem Turnen auch die Leichtathletik im Verein einen Platz erobert hatte, konnten zum 25 jährigen Vereinsjubiläum beide Disziplinen auf dem Rasen des neuen Sportgeländes zu Wettkampf und Vorführungen antreten.

 

In all den Jahren seines Bestehens bis zum Beginn des 2. Weltkrieges nahmen die Legauer Turner, die zum damaligen „Iller-Rot-und Günz-Gau“ gehörten, an zahlreichen Turnfesten teil, und zwar recht erfolgreich. So errang Anton Heckler in Sontheim beim Zehnkampf in der Mittelstufe den 2. Platz. Hans Heckler turnte im Zwölfkampf und erreichte ebenfalls einen hervorragenden Platz.

 

Vom 2. Weltkrieg bis 1960

Von 1935 bis 1945 bestand zwar der Verein weiter, betrieb aber unter der Treuhänderschaft des damaligen Reichsbundes für Leibesübungen den Sport immer mehr zur Wehrertüchtigung. Der zweite Weltkrieg forderte auch von den Legauer Turnbrüdern seinen Tribut und viele Opfer. So mancher musste Jahre der Gefangenschaft in Frankreich und Russland verbringen. Die erste Nachkriegszeit mit ihren Schwierigkeiten, die politische Umgestaltung, die Besatzung – alles das ließ einen Wiederaufbau der Legauer Turn- und Sportbewegung nur langsam gelingen. Diesmal ging der Neubeginn von den Fußballern aus. Sie nahmen 1946 den Spielbetrieb wieder auf. Nach und nach erschienen auch wieder Turner und Leichtathleten zum Üben. Eine Tischtennisabteilung wurde gebildet. Endlich, im Jahre 1948, kam der Turn- und Sportbetrieb wieder richtig in Gang. Der alte Turn- und Sportverein feierte seine Auferstehung. Er gliederte sich nun in die Abteilungen: Turnen/Leichtathletik, Tischtennis, Fußball und Ski.

 

Der Neubeginn wurde mit einem Sportwerbetag gefeiert. Turnerische und leichtathletische Wettkämpfe, Staffelläufe, Tischtennis- und Fußballspiele gestalteten diesen Tag zu einem großen Erlebnis. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Mitgliederzahl stieg ständig. Vor allem fanden viele Jugendliche zum Verein. Übungsleiter bemühten sich mit Eifer und Idealismus um Training und Ausbildung.

 

Mit Unterstützung von Marktgemeinde und Landessportverband wurde der Sportplatz ausgebaut. Eine Turnhalle im Gemeindehaus am Sportplatz wurde gebaut und die fehlenden Turngeräte, Bälle usw. wurden angeschafft. Im Jahre 1950 – dem 40. nach der Gründung – wurde die neu erbaute Turnhalle durch den Marktgemeinderat dem TSV Legau übergeben. Am Begrüßungsabend wurde Othmar Singer die Silberne Verbandsnadel für 30jährige Mitarbeit überreicht. Natürlich wurde auch dieser Festtag mit turnerischen und leichtathletischen Wettkämpfen sowie Fußball- und Faustballspielen (Josef Steinle) begangen. Im Leistungsvergleich mit auswärtigen Teilnehmern konnte eine sichtbare Leistungssteigerung der Legauer verzeichnet werden – nicht zuletzt eine Folge der besseren Trainingsmöglichkeiten. Auch im Turnerjugendbereich zeigten unter Leitung von Gebhard Bartl die Jugendlichen (männl. u. weibl.) beachtenswerte Erfolge auf Kreis- und Gauebene. Dieser erfolgreichen Jugendarbeit ging allerdings schon eine gute und solide Trainings- und Wettkampfarbeit von Christel Singer und Sepp Ried-Memmingen voraus. Es war übrigens die damalige Christel Singer, die mit ihren Mädchen in Oberstdorf einen 1. Platz im Gruppenwettstreit belegte.

 

Nun begannen auch die gesellschaftlichen Veranstaltungen des TSV wieder, den Verein an Beliebtheit wachsen zu lassen. Gelungene Vorweihnachtsfeiern versammelten die Mitglieder und ihre Angehörigen in froher Runde. Tanzveranstaltungen und Faschingsbälle (wie schon eh und je) wurden von Jahr zu Jahr beliebter und lockten zahlreiche auswärtige Gäste nach Legau. In den folgenden Jahren bis zum 50-jährigen Jubiläum wurde der Verein unermüdlich ausgebaut.

 

Dieses „goldene“ Jubiläum wurde vom 2. - 4. September 1960 gebührend gefeiert. Ein Fackelzug mit Fackelschwingen leitete die festlichen Tage ein. Wettkämpfe aller Altersgruppen boten den sportlichen Rahmen und ein Festzelt fehlte auch nicht, wo mit Musik, Volkstanz und turnerischen Vorführungen für Unterhaltung gesorgt war. Es wurde ein Erlebnis für den ganzen Markt Legau.

 

Von 1960 bis 1985

Die Mitgliederzahlen stiegen nun ständig. Das Turnen und der Sport wurden zur Freizeitbeschäftigung Nr. 1. Es entwickelte sich auch mehr und mehr zum notwendigen Ausgleich in unserer immer bewegungsärmer werdenden Zeit. Das sportliche Angebot umfasste bald alle Altersgruppen und hatte für nahezu jeden Geschmack etwas zu bieten. Schließlich trug man dem Ganzheitsgedanken dadurch Rechnung, dass immer stärker musische Elemente in den Sport eingebaut wurden. Lied, Tanz und Rhythmik wurden nicht nur gepflegt, sondern auch in die Wettkämpfe einbezogen. Wandern, Radfahren und andere Trimm-Dich-Arten erfassten mit der Zeit noch die letzten Bequemen, um ihre Fitness zu fördern.

 

Natürlich nahmen die Legauer eifrig die Angebote an. Die Turner wurden in Altersgruppen eingeteilt – vom Kleinkinderturnen bis zur Senioren-Riege war alles bestens organisiert. Tüchtige Übungsleiter und -leiterinnen betreuten die Gruppen und das ist bis heute so geblieben. Hier ist namentlich vor allem Xaver Hinterstößer zu erwähnen, der von Ende des zweiten Weltkrieges bis in die 80er Jahre unermüdlich zunächst mit einer Männerriege (Dienstagsturner), dann mit einer gemischten Männerriege (Alt und Jung - Montagsturner) trainierte.

 

Der Damen-Gymnastik-Riege, die schon seit Ende der Fünfziger Jahre in Lautrach turnte, schlossen sich zwei weitere Riegen unter der Leitung von Inge Ottow und Robert Ewadinger an. Gleichzeitig machte sich die erste Riege selbständig. Viele Jahre war Anneliese Sepp-Dietmannsried mit ihren Gymnastikstunden als Leiterin aktiv. Auch eine zweite Männerriege (Freitagsturner) hat sich vor Jahren gebildet mit Nikolaus Brack (+), Gottfried Schedel-Lautrach (+), Hans Schwarz, Hartwig Schröck u.a. als Vorturner.

 

Diese Gruppen, das Montagsturnen der Herren, das Dienstags- und Mittwochsturnen der Damen sowie das Freitagsturnen der Herren bestehen bis zum heutigen Tag und erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

Vor allem aber machte die Jugendarbeit Riesenfortschritte. Seit 1970 nahmen die Bubenriegen jedes Jahr an den Schüler- und Jugendturnfesten teil – 1972 auch eine Mädchenriege.

 

Als 1973 mit dem Schulhaus-Neubau auch unsere neue und modern eingerichtete Doppelturnhalle eingeweiht wurde, konnte der Trainingsbetrieb noch intensiver gestaltet werden. Die Erfolge stellten sich bald ein. 1975 belegten die Legauer auf ihren heimischen Sportanlagen im Wahl-4-Kampf den 1., 2. und 3. Platz. Im Gruppenwettstreit zeigten sie die zweitbeste Bodenturnübung. Im gleichen Jahre nahmen die Legauer, als jüngste Mannschaft, an der Deutschen Meisterschaft der Deutschen Turnerjugend in Marktoberdorf teil. In Hindelang erreichten sie den 4. Platz beim Bezirksjugendtreffen und fehlten auch nicht beim großen Turngau-Jugend-Treffen in Lindau, wo Zeltlager und eine vierstündige abendliche Dampferfahrt unvergessliche Erlebnisse wurden. Das Jahr 1976 brachte einer Legauer Jungen-Gruppe einen großen Triumph: Anlässlich des Bayer. Turner-Jugend-Treffens im Landkreis Miltenberg wurden sie Bayer. Meister im Gruppenwettstreit. Diese Erfolge waren nur möglich durch die hervorragende Ausbildungsarbeit von Jugendleiter Gebhard Bartl und Waltraud Heß als Jugendleiterin der Mädchen mit ihren Helferinnen und Helfern.

 

1978 erkämpften sich die Buben in Schongau mit Gebhard Bartl bei den Bayer. Meisterschaften der Turnerjugend den 3. Platz und in Lindenberg beim Allgäuer Turnerjugendtreffen den 2. Platz. Im gleichen Jahre fuhren die begeisterten Nachwuchs-Turner zum Deutschen Turnfest nach Hannover. 1979 setzten die Jungen ihren Erfolgskurs fort. Sie wurden in Gersthofen beim Bayer. Landesjugendtreffen Bayer. Meister und nahmen dann erfolgreich in Telgte an der Deutschen Meisterschaft im Gruppenwettstreit teil. Auch 1980 blieb der Legauer Turnerjugend der Erfolg treu. In Grönenbach wurden die Buben „Allgäuer Meister“ und in Bayreuth gewann eine gemischte Jugendgruppe die Bayer. Meisterschaft.

 

Natürlich waren die Männerriegen des TSV Legau in diesen Jahren auch nicht untätig. So trafen sie sich jedes Jahr regelmäßig mit der Mannschaft SSV Markt Rettenbach zu Leichtathletik-Vergleichskämpfen unter Erich Puchinger, und der jeweils gestiftete Pokal fand bald in Markt Rettenbach, bald in  Legau sein Bleibe, je nachdem, wer gesiegt hatte. Zwischen diesen beiden Vereinen fanden übrigens 21 leichtathletische Vergleichskämpfe statt, von denen Legau 14 gewann, Markt Rettenbach 7. Ganz maßgebend an den Siegen waren durch ihre hervorragenden Leistungen folgende Legauer Athleten beteiligt: Dr. Rudolf Sepp, Erich Puchinger, Karl-Bernhard Schneider, Christian Beyer, Georg Heckelsmiller, Norbert Endres, Carl-Albert Mayr, Peter Waizenegger, Peter Mayr, Richard Heß, Rudi Schmalz, Bernhard Abrell, Hans Briechle, Norbert Hörberg, u.a.

 

Einige ganz hervorstechende Leistungen von Legauer Leichtathleten sollen in dieser Chronik festgehalten werden. Es sind dies:

 

ein 100-m-Lauf in 10,7 sec. (Peter Mayr)

ein Weitsprung von 6,74 m (Peter Mayr)

ein Hochsprung von 1,83 m (Peter Mayr)

ein Dreisprung von 14,01 m (Peter Mayr)

ein Kugelstoß von 12,98 m (Dr. Rudolf Sepp)

ein Diskuswurf von 36,34 m (Erich Puchinger)

ein Speerwurf von 49,23 m (Erich Puchinger)

 

Kein Wunder, dass die Legauer als ernstzunehmende Wettkampfgegner galten.

 

Mit dem benachbarten Ausland verbindet die Legauer seit langem eine gute Sportkameradschaft und gar manches Turnfest in Vorarlberg und in der Schweiz wurde seit 1960 besucht. Vor allem gestaltete sich die Sportkameradschaft mit Fußach am österreichischen Bodenseeufer sehr eng. Bei jenem Treffen mit den Fußacher Turnern wurde auch die Idee geboren in Legau alljährlich ein internationales Sportfest durchzuführen. Der Gedanke wurde 1973 anlässlich der Turnhalleneinweihung in Legau erstmals in die Tat umgesetzt. Seither findet alljährlich ein internationales Herbstsportfest in Legau statt, das immer wieder alte und neue Turn- und Sportkameraden aus dem In- und Ausland in unseren Marktflecken führt und sich großer Beliebtheit erfreut.

 

Einer Turnfestmannschaft des TSV Legau in den Sechzigerjahren gelang es bei einem Wettbewerb in Bludenz sogar, im Tauziehen bei internationaler Konkurrenz Lorbeeren zu ernten mit dem 2. Preis hinter TS Fußach und vor ETV Sennwald (Schweiz).

 

Unvergessen bleiben auch die TSV-Faschingsbälle Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre im Löwensaal Legau. Mit tollen Einlagen und einem traditionellen Männerballett bildeten sie lange Jahre den Höhepunkt der Legauer Faschingsbälle.

 

1980 feierte der Verein sein 70-jähriges Gründungsjubiläum, und im Jahr darauf erhielt er eine neue Vereinsfahne, die der alten getreu nachgebildet wurde. Nach wiederholten Beratungen und trotz der gelungenen Entwürfe von Gordian Heinle entschloss man sich zu der Kopie. Die Fahnenweihe fand in der Legauer Pfarrkirche durch Hw. H. Pfarrer Renftle statt und wurde festlich gestaltet. Als Patenverein stiftete der TSV Lautrach-Illerbeuren ein schönes Erinnerungsband.

 

Im Jahre 1981 machten die Legauer Buben wieder von sich reden, als sie in Memmingen Bayer. Meister im Turnergruppen-Wettstreit wurden. Bei den Allgäuer Meisterschaften in Hindelang fehlten die Legauer natürlich ebenso wenig wie  bei der Deutschen Meisterschaft in Neu-Isenberg. Ein besonderer Genuss wurde den Legauer Turnfreunden in diesem Jahr noch geboten, als im Juli eine Jugendmannschaft aus Dänemark (Fensmark und Kalundborg) ihr Können gemeinsam mit den Turnerjugendgruppen aus Memmingen (Deutscher Meister) und der Turnerjugend-Gruppen des TSV Legau (Bayer. Meister) darbot, was die Zuschauer zu Beifallstürmen hinriss.

 

1982 waren es vor allem die Legauer Mädchen, die sich beim Allgäuer Turnerjugendtreffen in Neugablonz und bei den Bayer. Meisterschaften in Coburg an den Wettkämpfen beteiligten. Das trifft auch für 1983 und 1984 zu.

 

Inzwischen ging 1983 ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: Die alte Turnhalle am Sportplatz und die darunter gelegene Feuerwehrgarage konnten umgebaut werden. Der untere Teil wurde zu Umkleidekabinen, Toiletten, Wasch- und Duschräumen und zu einer Kleinküche mit Getränketheke umgestaltet. In der ehemaligen Turnhalle im ersten Stock besitzt der Legauer TSV jetzt ein geräumiges und gemütliches Vereinsheim, wo kleinere Veranstaltungen und Sitzungen abgehalten werden können. Viele fleißige Hände – vor allem der Fußballabteilung – waren am Werk, um in freien Stunden mitzuhelfen, damit dieses Vereinsheim ein Schmuckstück werden konnte. Beim Umbau der unteren Räumlichkeiten hat sich Fritz Deck mit seinen Helfern große Verdienste erworben. In ähnlicher Weise natürlich auch der umsichtige und energische techn. Leiter Sepp Bischof, bei dem viele Fäden zusammenliefen. Der Verein dankt es ihnen allen. Großes Lob gebührt aber auch Engelbert Sonntag für die Ausgestaltung des Vereinsheimes mit Holz. Er stellte sein Können und seine Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung. Freilich wäre ohne die finanziellen Hilfen der Marktgemeinde Legau und unseres Gönners Roland Fladner kaum etwas möglich gewesen. Durch geschickte Verhandlungen mit dem Bierlieferanten erreichte der 1. Vorstand des TSV Legau, Robert Ewadinger, äußerst günstige Bedingungen für die Ausstattung des Heimes mit Mobiliar und Geschirr.

 

In der Zeit bis 1985 sind durch ihr unermüdliches Engagement folgende Personen besonders zu erwähnen:

 

Herbert Weiß (Schriftführer, Kulturwart, 2. Vorstand), Arno Krywult (Kassier i. Abteilung Fußball und 2. Kassier im Hauptverein), Alfons Schneider (Kassier und 2. Vorstand), Bruno Aust (Schüler-Abt.leiter Fußball ab 1957), Dr. Sepp jr. (Sportarzt) ehem. Bayer. Jugendmeister im Hochsprung, Teilnehmer Deutscher LA-Meisterschaften, hochkarätiger Leistungssportler u.a. 4. bei der Dt. LA-Juniorenmeisterschaft im Kugelstoßen (1951/1952), Vorarlberger Landesmeister im Schleuderballwerfen, Gottfried Schedel (Turnwart), Carl Mayr (ehem. Pressemann).

 

Von 1985 bis heute

Die Legauer wurden auch aktiv beim Volkswandern und Volksradfahren. Frau Hildegard Onasch nahm sich des Vereinswanderns an und organisierte gar manche unvergessliche Tour. Von 1990 an übernahm Christine Sepp die Wandergruppe Legau und es wurden unter ihrer Regie meist zwei Touren im Jahr zu Fuß oder mit dem Rad unternommen, oft abgeschlossen durch eine gemütliche Einkehr. 

Seit im Winter der Skilanglauf eine beliebte Trimm-Dich-Art wurde, zogen die Langläufer allenthalben querfeldein ihre Brettl-Fährten (Loipen). 1984 wurde der Skilanglauf zum wahren Vergnügen, als dank der ungeheuren Spendenfreudigkeit der Legauer Bürger ein Loipenspurgerät angeschafft werden konnte. Auch hier war es wieder Fritz Deck, der es durch vielerlei Ideen für diverse Sammelaktionen fertigbrachte, die finanziellen Mittel zusammenzubringen. Initiatoren und Träger der Skilanglaufsparte, die für die Gesamtbevölkerung da ist, waren und sind noch heute als Fahrer und Betreuer des Spurgerätes und als raffinierte „Leger“ der diversen Loipen Helmut Gerster und Karl Waldmann mit Helfern. Seither muss niemand mehr im Tiefschnee straucheln und sich durch Schneeverwehungen kämpfen. Die  richtige Spur wird ihm vorbereitet und dem Wintervergnügen auf den schmalen Bretteln steht nichts mehr im Wege. Im Jahr 2009 wurde das nun 25 Jahre alte Loipenspurgerät ausgemustert. Durch Bezuschussung der Gemeinde konnte ein modernes Gerät beschafft werden. Es wird immer noch durch Helmut Gerster und seine Helfer betreut. Seit vielen Jahren wird neben der klassischen Loipe auch eine Skatingspur den Langläufern aus nah und fern angeboten.

 

Auch die Skiabteilung (alpin) kann auf Erfolge zurückblicken, die sich sehen lassen können. Nach M. Weißenhorner, W. Steinhauser, A. Deyringer, J. Bischof und Dieter Aust wird sie heute geleitet von Norbert Hörberg.

 

Anfang der 50er Jahre unterhielt die Skiabteilung sogar eine Skispringermannschaft (Siegmund und Xaver Hiemer, Mayr Carl, Rudolf Weber, Moritz Heckler, u.a.), die beachtliche Erfolge aufzuweisen hatte, vor allem durch Siegmund Hiemer-Witzenberg/Stuttgart. Die Skiabteilung organisiert alljährlich einen Skibazar, bietet diverse Skikurse an, führt Vereinsmeisterschaften durch und beteiligt sich- zum Teil mit beachtlichem Erfolg – an überörtlichen Skiwettkämpfen, wie dem Kreiscup.

(siehe auch eigener Bericht der Abteilung in der Festschrift).

 

Im Jahr 1970 gründete Fritz Deck die Faustballabteilung des TSV Legau. Die Gründungsspieler waren Josef Steinle, Erich und Siegfried Puchinger, Hans Schwarz, Helmut Dehnert, Dr. Rudolf Sepp, Kurt Sperner, Rudi Schmalz, Alois Notz und Peter Koberwitz. 1975 trat man in den Spielbetrieb der C-Klasse Allgäu ein, in den 80er und 90er Jahren spielte man sich bis in die Bezirksliga vor, wobei einmal sogar um den Aufstieg in die Landesliga, leider vergeblich, gespielt wurde. Gute Platzierungen erreichten die Legauer Faustballer auch beispielsweise bei den Faustballturnieren in Gossau (Schweiz) und Amendingen und das Josef-Steinle-Faustballturnier in Legau konnte mehrmals gewonnen werden. Dabei spielten in der 1. und 2. Mannschaft neben den Gründungsspielern Alfons Kiebel, Jürgen Altvater, Christoph, Andreas und Carl-Albert Mayr, Richard Heß, Peter und Karl Waizenegger, Richard Diepolder, Johannes Schneider, Günter Köcher, Ludwig Heinle, Hermann Natterer und Edmund Abel. Im Jahr 2000 musste der Spielbetrieb leider wegen Personalmangel eingestellt werden.

 

Die Tischtennisabteilung, dessen „Seele“ in den 80er Jahren der leider viel zu früh verstorbene Kurt Sperner war, hat früher lange Jahre in der Verbandsrunde gespielt. Nach langen Jahren der Pause, treffen sich jeden Freitagabend seit ca. dem Jahr 2000 unter der Leitung von Herrn Zierbeck  junge und alte Tischtennisspieler in der Turnhalle.

 

Im Jahr 1978 wurde unter der Leitung von Helmut Gerster und Karl Waldmann der Lauftreff gegründet. Immer am Donnerstagabend trafen sich viele Laufbegeisterte im Grönenbacher Wald. Mit Aufkommen der Nordic Walking Welle ab dem Jahr 2000 gab es Rekordbeteiligungen von bis zu 60 Läufern und Walkern, die in fünf Gruppen eingeteilt wurden. Leider hat sich das Laufen zunehmend individualisiert, so daß Karl Waldmann den Lauftreff nach über 30 Jahren im Jahr 2009 wegen zu geringer Beteiligung auflösen musste. Ein bleibendes Verdienst von Karl Waldmann und seinen Mitstreitern sind die vielen Walker und Jogger, die auf Legaus Fluren zu allen Tageszeiten anzutreffen sind.

 

Die Volleyballabteilung wurde im Januar 1986 auf Initiative von Ludwig Heinle und Georg Schwarz gegründet. Seit 25 Jahren nehmen die Mannschaften am allgäuweiten  Spielbetrieb der Eichenkreuzrunde teil. Viele Jahre war sowohl eine Damen als auch Herrenmannschaft im Wettbewerb. Aktuell spielt noch die Herrenmannschaft in der zweithöchsten Klasse der Runde. Die beste Platzierung war der 8. Rang unter 30 Mannschaften.

 

Ein großer Einschnitt war das Jahr 1987 in der Vereinsgeschichte des TSV. Nach 25 Jahren musste Robert Ewadinger aus gesundheitlichen Gründen den Vereinsvorstand abgeben. Er und Fritz Deck haben die 60er und 70er Jahre des Vereines hauptsächlich geprägt. Sein Nachfolger wird Alfons Schneider.

 

Neben den schon traditionellen Turn- und Gymnastikstunden für Jung und Alt, Frauen und Männer, wurden in der Turnhalle neue Fitnessübungen ab den 90er Jahren angeboten. Lucia Bischof ist der Name, mit dem Aerobic, Step-Aerobic, Jazztanzstunden, Modern Dance  und vieles mehr verbunden sind. Immer auf dem neuesten Stand füllten in den Hochzeiten der Aerobic-Gymnastik von Lucia Bischof bis zu 100 Frauen die Legauer Turnhalle. Mit Headset und heißer Musik ausgerüstet brachte sie ihre Kursteilnehmer zum Schwitzen.

 

Der Fußball nimmt heute beim TSV Legau einen großen Raum ein. Bereits mit 5 Jahren spielen die Jungen und auch einige Mädchen in der F-Klasse und kämpfen sich mit den Jahren vor bis in die A-Klasse und eine erheblich Zahl bleibt dem Fußball auch in den Erwachsenengruppen der 1. und 2. Mannschaft und später in der AH treu. Viele schöne Erfolge konnten sie vor allem seit Mitte der 80er Jahre erzielen, wie sie dem Bericht der Abteilung Fußball detailliert entnehmen können.

 

Sportplatzneubau

1987 wird von Josef Bentele durch die Gemeinde eine Wiese für den zweiten Sportplatz gepachtet. Die Anlage wurde umzäunt und durch einen Geräteschuppen ergänzt.

 

Nach zwei Jahren musste man feststellen, dass dieser Platz im unteren Drittel zu viel Gefälle aufweist. So war man bereit, diesen Platz mit der Firma Kutter zehn Meter kürzer zu machen, etwas aufzufüllen und einen neuen Rasenbelag anzusäen.

 

Nach dem Aufstieg in die damalige A-Klasse (heute Kreisliga Süd) wurde für 200 Zuschauer eine Tribüne mit Kiosk, Umkleidekabine und WC-Anlage gebaut.

 

Die marode Leichtathletik-Sportanlage in der Altusrieder Straße musste zum jährlichen Herbstsportfest immer wieder saniert werden.

 

Östlich vom Sportplatz kaufte die Gemeinde unter Bgm. Eduard Haug von Hans Geiger 10.000 qm Fläche für den Bau eines neuen Sportgeländes an und stellt die bisherigen Mietwohnungen beim TSV-Gebäude dem Verein zur Verfügung. Vorstand und Architekt Heckelsmiller plant gemeinsam mit Technischem Leiter Konrad Veit in diesem Haus den Eingang, Treppenaufgang, Duschräume, Umkleidekabinen und WC-Anlagen. Dieser Umbau wird gemeinsam mit der Fußballabteilung fertiggestellt.

 

Damit das Stadion geplant und gebaut werden konnte, mussten aufgrund des Emissionsschutzes weitere 6.000 qm auf Erbpacht von der Gemeinde übernommen werden. Jetzt waren die Weichen gestellt, ein neues Stadion zu planen und zu bauen. Schatzmeister Eduard Steinle regelt zusammen mit Vorstandschaft und Gemeinde die finanziellen Gegebenheiten. Vorstand Heckelsmiller plant das Stadion und vergibt die Arbeiten der Familie Haas in Roggenzell. Es entstehen zwei Spielfelder mit Flutlicht und Beregnungsanlage, eine 100-Meter-Bahn, eine Weitsprunganlage ein Beachvolleyballplatz und für 200 Zuschauer eine Tribüne mit Geräteräumen, Schiedsrichterkabinen, Umkleidekabinen, WC-Anlagen und ein großer Kiosk (Bauzeit 2003 – 2005). Am 17. Juli 2005 wird das Stadion mit einem Festgottesdienst durch Pfarrer Renftle eingeweiht und anschließend mit einem Festakt eröffnet. Somit gehörte der Sportplatz an der Isnyer Straße der Vergangenheit an und wurde vollständig zurückgebaut. Der alte Sportplatz an der Altusrieder Straße wird zum E-Jugendplatz abgeändert und es kann ein großzügiger Parkplatz für ca. 70 Stellplätze errichtet werden.

 

Durch Einsatz der „Legauer Farmer“ bekommt im Jahre 2009 ein Teil dieses Parkplatzes eine Doppelfunktion und es entsteht ein Hockeyplatz mit Rundumbande, der im Winter auch als Eislauffläche genutzt wird. Diese neuen Sportarten finden großen Anklang.

 

Im Jahr 2008 gab Georg Heckelsmiller nach elfjähriger erfolgreicher Tätigkeit sein Amt als Vorstand auf und bei der Jahresversammlung im Jahr 2008 wurde Konrad Veit als neuer Vorstand gewählt. Die aktuelle Vorstandschaft, die das 100-jährige Vereinsjubiläum vorbereitet besteht aus 1. Vorstand Konrad Veit, 2. Vorstand Wolfgang Roglmeier, Kassier Eduard Steinle, Schriftführerin Edeltraud Schwegele, Technischer Leiter Reinhard Schwarz sowie den Beisitzern Regina Kink, Erich Heiligsetzer, Ludwig Heinle und Alfred Hohenegger.

 

Ein Turnverein lebt durch das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder, vor allem der Abteilungsleiter, Übungsleiter und Helfer, die in unzähligen Stunden ihre Freizeit für den Sport zur Verfügung stellen. Nur durch ihre Mithilfe kann ein Verein auf eine solch lange Tradition zurückblicken.

 

Nun sind wir am Ende der hundertjährigen Chronik. Viele Sportler, die hier nicht erwähnt sind, haben sich in den letzten hundert Jahren für den Sport in Legau engagiert. Ein Dank gilt allen Bilderlieferanten und Frau Ewadinger, auf deren Chronik zum 75-Jährigen diese Chronik fußt.

 

Mit seinen derzeit 1.100 Mitgliedern und den vielen verschiedenen Abteilungen mit engagierten Übungsleitern und einer modernen Sportanlage ist der TSV Legau gut aufgestellt für die nächsten hundert Jahre.